Ev. Kindertagesstätte

am Plessefelsen in Wanfried

„Jeden Tag lernt ein Kind etwas Neues. Es beginnt mit einfachsten Bewegungen, die sich bis zu feinmotorischen Höchstleistungen entwickeln. Das Gehirn verknüpft währenddessen ständig neue Nervenverbindungen, sogenannte Synapsen, die durch Schlüsselreize (Sinneserfahrungen) angeregt werden. Emotional entdeckt das Kind seine Bedürfnisse und entwickelt ein Gespür für die Gefühlswelt anderer. Das intellektuelle Lernen ist es, was wir mit „Bildung“ verbinden: Wortschatz erweitern, Sätze bilden, Zusammenhänge überschauen usw. Ist ein neues Wort aber in den Wortschatz aufgenommen, eine Fertigkeit erworben, ist der Moment des Lernens schnell vergessen. Wenn nicht ein anderer Mensch bemerkt, wie sich das Kind weiterentwickelt, es darauf aufmerksam macht, es lobt und ermuntert, werden der Lernfortschritt und der Lernweg bald als selbstverständlich hingenommen und geraten schnell in Vergessenheit.“[1]

Im Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan heißt es dazu:

„Die gezielte Beobachtung und Dokumentation der Bildungs- und Entwicklungsprozesse von Kindern bildet eine wesentliche Grundlage für die pädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege und Schulen. Im Einzelnen sind dabei folgende Bezüge zu berücksichtigen:


Die Dokumentation

  • fördert und vertieft das einfühlsame Verstehen der Perspektive von Kindern
  • gibt Einblick in Entwicklung und Lernen des Kindes, seine Fähigkeiten und Neigungen
  • liefert Anhaltspunkte für die Individualisierung von Lehr- und Lernprozessen und unterstützt die Reflexion pädagogischer Angebote
  • bildet die Grundlagen für regelmäßige Entwicklungsgespräche mit Eltern
  • gibt Impulse für den Dialog mit Kindern
  • erleichtert die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern, z.B. Fachdiensten und Schulen.“[2]

 

Wir, als pädagogisches Team dieser Kindertagesstätte, haben uns gemeinsam für folgendes Dokumentationsschema entschieden, das in allen Gruppen einheitlich angewendet wird und in welches auch unsere Beobachtungen mit einfließen:

Die Erzieherinnen erstellen in ihrer Gruppe gemeinsam mit jedem Kind seinen eigenen Portfolio-Ordner mit dem Namen: „Das bin ich! – meine Kita-Geschichte“. Dieses Portfolio soll die Bildungsprozesse jedes einzelnen Kindes dokumentieren. Diese werden vom Kind selbst, den Erzieherinnen und den Eltern zusammengetragen, in diesem Ordner aufbewahrt und stehen dem Kind jederzeit zur Verfügung, um seinen eigenen Lernweg, seine Lernfortschritte und seine individuelle Entwicklungsgeschichte einsehen zu können. Auf diese Weise erhält es die Möglichkeit, seine Entwicklung selbst zu reflektieren, seine persönlichen Stärken zu erkennen und sein Selbstwertgefühl aufzubauen.

 

[1] Der Weg zum Kita-Portfolio, 2013, Vorwort

[2] Bildung von Anfang an, Dezember 2007, S. 115